Warum Judo?

 

Judo: Mehr als nur ein Sport (ein Bericht von Mag. Wolfgang Bauer)

 

 
Wer glaubt, dass Judo bloß eine Art der Selbstverteidigung für allfällige Zwischenfälle im Nachtleben ist, irrt gewaltig. Denn Judo ist Sport und Geisteshaltung in einem. Kraft, Beweglichkeit und Geschicklichkeit verbinden sich mit der unbedingten Hochachtung vor dem Gegner.  

Die beiden Athleten sind mit ihren Armen ineinander verkeilt, sie ziehen und schieben sich auf der Matte einige Schritte weit nach vorn, dann wieder zurück, sich gegenseitig belauernd und einen günstigen Moment abwartend ... Dann eine blitzschnelle Bewegung des einen Judokas, seine Hüfte gelangt unter den Schwerpunkt des anderen, der dadurch das Gleichgewicht verliert und über die Hüfte des Angreifers geworfen wird. Ebenso schnell wird der geworfene Partner in der Rückenlage am Boden fixiert und so lange in der Position gehalten, bis der Kampf entschieden ist. Danach erheben sich die beiden Judokas und verneigen sich voreinander.

Judo ist Koordinationstraining
Solche Bilder von Judowettkämpfen kennt jeder aus dem Fernsehen.  Doch auch abseits des Spitzensports ist Judo außerordentlich beliebt. Und das hat gesunde Gründe, obwohl Judo im Kern ein Kampfsport ist. „Judo fördert in hohem Maße die Koordination und die Gleichgewichtsfähigkeit. Man bekommt dadurch ein besseres Vertrauen in den Bewegungsablauf, was für Kinder und Erwachsene gleichermaßen wichtig ist. Denken Sie nur an die vielen Unfälle, die am Schulweg oder im Alltag passieren“, sagt Dr. Hans-Paul Kutschera, Präsident des Österreichischen Judoverbandes. Viele dieser Unfälle sind die Folge mangelnder Koordination. Wenn Sie so wollen, dann ist Judo eine perfekte Verletzungsprophylaxe.“

Gesundes Kämpfen
Klingt plausibel. Aber ist Judo nicht im Kern ein aus Japan stammender Kampfsport, der aus ganz speziellen Wurf- und Haltetechniken besteht? Und was ist daran gesund, außer dass man dadurch fähig ist, sich besser verteidigen zu können? Dr. Kutschera: „Zunächst einmal ist festzuhalten, dass man im Judo den Gegner nicht verletzen sondern besiegen will. Der Gegner ist ein Partner, dem man großen Respekt entgegenbringt. Das beweist schon die Tatsache, dass man sich vor dem Kampf und danach voreinander verneigt“. Auf der Matte geht es nicht darum, der Stärkere zu sein, sondern darum, über die bessere Technik zu verfügen. „Dazu ist erforderlich, dass man den anderen genau analysiert. Wo könnte seine Schwäche sein, wie kann man ihn am besten aushebeln – im wahrsten Sinne des Wortes. Das heißt, Judo verlangt große mentale Stärke“, so der Verbandspräsident.

Auch für den Breitensport geeignet
Mit Judo kann man in relativ untrainiertem Zustand beginnen. Wettkämpfe und Turniere sind für diese Zwecke nicht nötig, sagt Dr. Kutschera. „Im Breitensport werden schwierige Techniken ausgeklammert. Es dominiert die Freude, durch einfache Griff- oder Fußtechniken den Körper immer besser zu beherrschen. Man übt praktisch mit dem Partner einfache Techniken, ohne gewinnen zu wollen. So wie man Tennis spielen kann, ohne ein Tennismatch zu bestreiten“. Über kurz oder lang wird der Körper davon profitieren. So wird beispielsweise allein schon durch die vielen Zug- und Schubbewegungen, die man mit dem Partner im Stand absolviert, der Rumpf stabilisiert.

Wer an Osteoporose leidet oder endoprothetisch versorgt ist, für den ist Judo nicht die erste Wahl. Ansonsten ist Judo ein relativ sicheres Sportvergnügen, betont Dr. Kutschera. Bei den Verletzungen handelt es sich im allgemeinen um einfache Prellungen und Stauchungen.

Pädagogisch wertvoll
Nicht von ungefähr wird Judo bei Kindern und Jugendlichen immer beliebter. In zahlreichen Schulen wird es als Neigungsgruppe angeboten. „Judo bietet den Kindern die Möglichkeit, sich auszutoben – allerdings auf eine sehr kontrollierte Art. Man kann nicht einfach drauf los kämpfen und seinen Aggressionen freien Lauf lassen. Judo folgt ja verschiedenen Regeln – vom Binden des Gürtels bis zum Verneigen vor dem Gegner – so dass die Kinder auch eine gehörige Portion Disziplin vermittelt bekommen. Außerdem merken wir, dass selbst schüchterne Kinder bereits nach wenigen Wochen Judo selbstbewusster auftreten. Sie lernen, was es heisst zu gewinnen oder gegen einen Besseren zu verlieren“.

Ziel: Der schwarze Gürtel
Apropos Gürtel: Judokas tragen Gürtel in verschiedenen Farben. Sie widerspiegeln den technischen Grad, den man im Judo erlangt hat. Bei Prüfungen – und nicht nur bei Wettkämpfen – muss man zeigen, ob man eine bestimmte Technik beherrscht. Dafür erhält man einen Gürtel in einer bestimmten Farbe. Die Farben reichen von weiß (niedrigster Grad) über gelb, orange, grün, blau, braun, bis schwarz (höchster durch eine Prüfung zu erreichende Grad). „Jeder Judoka träumt davon, den schwarzen Gürtel zu erhalten. Dahinter steckt allerdings ein jahrelanger Prozess der Perfektionierung von Technik und Körperbeherrschung“, sagt Dr. Kutschera.

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Info: Mehr Informationen zum Judosport erhälst Du über die Webseiten des Aargauer Judoverbands www.ajv.ch und des Schweizerischen Judo und Ju-Jitsu- Verbandes www.sjv.ch